Sonntag, 22. März 2009 16:51 Bill

eBooks – Wunsch und Wirklichkeit

Wenn man sich nun umsieht um sich das eine oder andere deutschsprachige eBook zuzulegen hat man die Qual der Wahl woher man seine eBooks beziehen soll.

Zuerst wird einem dieser Tage das vollmundig beworbene “eBook-Portal” des Börsenvereins namens  libreka einfallen, einen Besuch dort kann man sich aber getrost sparen, wenn man nicht gerade auf der Suche nach Büchern über Nickelallergien oder Gartenpflanzen ist, siehe hier.

Wer ein Buch zu EDV-nahen Themen sucht dürfte bei inform-it fündig werden,hier gibt es außerdem als besonderes Highlight das “eBook des Tages” – ein stark preisreduziertes, nicht mehr topaktuelles eBook, der Preis liegt meist zwischen 0,99 und 2,99 €.

Ein relativ breites Angebotsspektrum gibt es  bei ciando und mobipocket, die Preise unterscheiden sich marginal, die Funktionalität ist Geschmackssache.

Wenn man sich aber das Angebot und die Aktualität ansieht drängt sich der Verdacht auf, dass weder Verlage (mit Ausnahme einer EDV-Fachbuchverlage) noch der Buchhandel wirklich an einer schnellen Einführung des Produktes eBook interessiert sind – viele alte Titel und so gut wie kein aktueller Bestseller.

Wer um alles in der Welt soll bei so einem Angebot 299,00 Eu für einen Sony Reader ausgeben? – Höchstens Technikfreaks würde ich mal so behaupten.

Dazu kommt ein gewisses Formatwirrwarr  und das leidige DRM-Problem. Die Musikindustrie hat nach langen leidvollen Jahren gerade ihre Lektion gelernt. Jetzt fangen die Verlage mit den gleichen Dummheiten an (sorry, klingt nicht nett, beschönigt aber eher).

Ein eBook, das fast so teuer ist wie die Papierausgabe, dafür aber aus Engste an mich gebunden – nein, das gefällt mir nicht und deshalb bin ich überzeugt, werden es legale eBooks in der nächsten Zeit sehr, sehr schwer haben.

Legale eBooks?  Gibts denn auch illegale? Logisch! Wer sich auf der “dunklen Seite” des Internet umsieht findet dort ein wesentlich größeres Angebot, auch mit einer Vielzahl an aktuellen Titeln. Ein Großteil dieser Titel scheint eingescannt und entsprechend bearbeitet zu sein, teilweise kursieren aber wohl auch vom Kopierschutz befreite Originale.

Die vergleichsweise winzige Gruppe der “Raubkopierer” dient aber als Vorwand um sämtliche potentielle Kunden zu verdächtigen. Ich bin überzeugt, dass sich auch Ebooks ohne Kopierschutz und sonstige Restriktionen wesentlich besser verkaufen würden.

Trotz weitverbreiteter Kopier- , Foto- und Scantechnologie verkaufen sich Bücher ja wohl nach wie vor sehr gut. Auch wenn der Vergleich natürlich etwas hinkt, denn ein eBook wäre schon schneller und bequemer kopiert. Aber wer auf solche Spielchen aus ist, wird das so oder so tun, der Kopierschutz erhöht doch für solche Leute höchstens noch den Anreiz.

Mittlerweile fangen auch die ersten Bibliotheken an, eBooks und andere elektronische Medien zu “verleihen”. Aber auch hier kann kann nur angeboten werden was auf dem Markt verfügbar ist. Und wirklich gut benutzbar sind diese Angebote auch nicht, wie beim realen Buch gelten Leihfristen und solange jemand ein Buch entliehen hat, kann es kein anderer nutzen. Nichteinmal eine vorfristige Rückgabe scheint möglich oder gewollt zu sein. Hier werden nun wirklich tolle Möglichkeiten verschenkt.

EBooks sind eine feine Sache, wer sie mit vorhandener Technik nutzen kann, fährt damit in vielen Fällen recht gut. Sich derzeit ein teures Spezialgerät zuzulegen ist, meiner Meinung nach, aber noch stark verfrüht. Ein akzeptables Geschäftsmodell -wie Amazons Kindle auf dem amerikanischen Markt- fehlt hierzulande noch vollständig und scheint auch nicht absehbar.

Eine hervorragende und absolut lesenswerte Abhandlung zu dieser Problematik erschien kürzlich bei literaturcafe.de.

Du kannst den Kommentaren zu diesem Eintrag durch den RSS-Feed folgen. Du kannst den Eintrag kommentieren, oder einen Trackback von deiner eigenen Seite machen.

Ebook-Quellen, Ebooks, Hardware

Kommentar hinterlassen

XHTML: Du kannst folgende Tags nutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>